NICARAGUA
Die meisten assoziieren mit Nicaragua Revolution, Sandinismus,
Kaffeekooperativen, Solidaritätsbrigaden. Doch seit dem Sieg der
Revolution 1979 hat sich in Nicaragua vieles verändert.
Eine Kurzfassung der Geschichte und politischen Situation Nicaraguas
zur Zeit meines Aufenthalts vor Ort findet Ihr hier.
Seit meinem Aufbruch gingen die politischen Grabenkämpfe zwischen
dem bürgerlichen Lager, Präsident Enrique Bolanos, seinem zu 20
Jahre Haft verurteilten Vorgänger Arnoldo Aleman, Daniel Ortega
(FSLN-Anführer) und den Sandinisten weiter. Der Versuch einer
kurzen Zusammenfassung dazu folgt in Kürze.
Ende Januar 2004 ist es Nicaragua gelungen, im Zuge einer
Schuldenerlass-Initiative für höchst verschuldete arme
Entwicklungsländer (HIPC) 80% seiner Schulden erlassen zu bekommen.
Dies hat allerdings seinen Preis: eine stringente Einhaltung von
Auflagen des Internationalen Währungsfonds sowie die Umsetzung einer
von IWF und Weltbank abgestimmten Armutsbekämpfungsstrategie.
Etwa ein Fünftel der Nicaraguaner/innen suchen Lebensperpektiven
im Ausland: Ein großer Anteil der Migrant/innen
verdingt sich als (Hilfs-)Arbeiter/innen in Costa Rica,
über die Hälfte der Auswandernden migriert - oft illegal - in die USA.
Die Geldtransfers der Auswander/innen überschreiten die
Deviseneinnahmen der nicaraguanischen Volkswirtschaft aus Export
oder Tourismus bei weitem. Somit ist es kein Wunder, dass die
liberal-konservative Regierung Nicaraguas die USA als
ihren wichtigsten außenpolitischen Partner betrachtet und
entsprechend hofiert: So überreichte Ende 2003 Präsident Enrique Bolanos den
Ruben-Dario-Preis für besondere Verdienste für die Demokratisierung
Nicaraguas an Ex-US-Präsidenten George Bush senior!
Am 7. November 2004 haben in Nicaragua Kommunalwahlen stattgefunden.
Drei deutliche Trends sind erkennbar:
Die Politik(er)verdrossenheit hat auch in Nicaragua breite Spuren hinterlassen:
52% der Wahlberechtigten gingen nicht zur Wahl.
Deutlicher Wahlgewinner ist die Frente Sandinista para la Liberacion de la Nacion (FLSN)! Abgesehen von der
traditionell kaufmännisch orientierten Stadt Granada, in der
nach letzten Information die neu um Präsident Bolanos formierte
Allianza por la Republica (APRE) mit 13 (?) Stimmen Vorsprung knapp gewann,
sind nun fast alle größeren Städte fest in FSLN-Hand.
Eindeutiger Wahlverlierer ist die liberale Partei PLC, die 40 Gemeinden
abgeben musste und nun nach neuen Wegen suchen muss.
Daten und Fakten
Nicaragua ist nach Haiti das zweitärmste Land Lateinamerikas.
Dies ist einerseits auf Weltwirtschaftsstrukturen, lange Bürgerkriege,
Korruption und Misswirtschaft, aber auch auf zahlreiche Naturkatastrophen,
wie z.B. Hurrikan Mitch 1998, zurückzuführen.
Verglichen mit Bolivien (ueber 1 Mio. km2) ist Nicaragua ein sehr
kleines Land. Seine Flaeche von 130.700 km2 passt fast dreimal
in die Flaeche Deutschlands. Dennoch ist Nicaragua - nach Mexico -
das groesste Land Zentralamerikas und rund sechsmal größer als der
Däumling El Salvador. Nicaragua liegt zwischen Honduras im Norden
und Costa Rica im Sueden- mit Pazifik im Westen und Karibik im Osten.
Während im weitläufigen Bolivien rund 8 Millionen Menschen leben,
zählt Nicaragua etwa 5,5 Millionen - Tendenz steigend. Alleine 1,5
Millionen leben in der noch immer vom Erdbeben 1972 verunstalteten
Hauptstadt Managua.
Die Bevoelkerungsstruktur klafft mit europäischen Verhältnissen
stark auseinander: Über 70% der Bevoelkerung ist unter 30 Jahre,
50% Zeitungsberichten zufolge unter 15 Jahre alt. Familien mit
15 Kindern und mehr sind hier durchaus Realität.
Religion spielt im
Leben der meisten Nicaraguaner/innen eine bedeutende Rolle: Etwa 80%
der Bevölkerung sind römisch-katholisch, etwa 20% bekennen sich
zu protestantischen Religionsgemeinschaften. Während die katholische
Kirche trotz Bevölkerungsexplosion Kampagnen gegen Abtreibung und
Sexualkunde vorantreibt, rufen die aus den USA herüberschwappenden,
schnell wachsenden Pfingstkirchen zu Bescheidenheit, Enthaltsamkeit,
Buße, Demut und Akzeptanz des eigenen Schicksals auf.
Die Schere zwischen Arm und Reich geht in den letzten Jahren immer
weiter auseinander: Während die reichen 20% der Bevölkerung 64%
des Gesamteinkommens beziehen, leben über 60% der nicaraguanischen
Bevölkerung in extremer Armut. Das ärmste Bevölkerungsfünftel
erhält gerade mal 2,3% des Einkommens. Die Privatisierungen der
letzten Jahre von Bildung, Gesundheit, Wasser, Strom, Telefon
verstärken die Schieflage dieser Entwicklung.
Heute sind die wichtigsten Exportprodukte Kaffee und Fleisch.
Aufgrund der weltweit eingebrochenen Kaffeepreise haben viele
Kooperativen, Arbeiter/innen und deren Familien ihre
Überlebensgrundlage verloren. Selbst mit ortsüblichen Minimallöhnen
rechnet sich Kaffeeanbau und dessen Ernte oft nicht mehr.
Abhilfe und Wirtschaftsaufschwung sollen unter anderem die 13 Freihandelzonen
Nicaraguas schaffen, in denen etwa 70.000 Arbeitsplätze in
"Maquilas" entstanden sind. Die Unternehmen bezahlen jedoch kaum
Steuern und die Arbeitsbedingungen können durchaus als ausbeuterisch
und unmenschlich bezeichnet werden.
Wichtigster Handelspartner ist die USA, mit Abstand gefolgt von
den Nachbarländern El Salvador, Honduras, Costa Rica und Guatemala.
Nicaragua importiert Waren im doppelten Wert der eigenen Exportgüter.
Zu meinen Reiseberichten
Meine Reiseroute durch Nicaragua war stark geprägt von Vulkanen und Seen
- und natürlich von der bewegten Geschichte des Landes. Ich habe versucht, ein bisschen besser zu verstehen,
wie es in diesem Land zur Revolution kam, warum diese gewann und
letztendlich dann doch scheiterte, warum sich heute so viele Menschen
dort verraten und verkauft fühlen...
Niemand entkommt Nicaraguas Hauptstadt. Der in meinen Augen recht haessliche
"Moloch" Managua ist Knotenpunkt aller zentralen Busverbindungen. Aber
von dort erreicht frau/man "ratzfatz" den faszinierenden aktiven Vulkan bei Masaya, das
"kaufmännische Landeszentrum" Granada und vieles mehr.
Lasst Euch von mir auf meine "Trauminsel" Ometepe im Lago de Nicaragua
entführen - und lernt mit mir die sandinistische (Kaffee)-Kooperative Finca
Magdalena kennen. Auch zu den politisch bewegten Künstlerinseln Solentiname
- einer Heimat Ernesto Cardenals - findet Ihr einige Informationen und Bilder.
Und dann natürlich Leon - Nicaraguas liberal orientierte, zweitgrößte Stadt
mit seinen unglaublich schönen Vulkanketten...
Die Berichte sind chronologisch - und zur Orientierung überwiegend nach
den Reiseorten benannt.
Landeswechsel - Nicaragua! - Managua - 28.11.2003 (9)
Leon - und Vulkanabenteuer auf Ometepe - 10.12.2003 (10)
Trauminsel Ometepe mit sandinistischem Kooperativen-Kaffee...
. - 12.12.2003 (11)
Solentiname - Naturparadies und aufständische Künstler-Insel
. - 16.12.2003 (12)
Nicaraguas Vulkane - Feliz Navidades - 24.12.2003 (13)
San Juan del Sur - Rückkehr nach Ometepe - Jahresende
. - 08.01.2004 (14)
Geschichte und Politik Nicaraguas - 16.01.2004 (15)
Und hier noch ein Reisebericht der "anderen Art" :-)
Gesundheitliche "Abenteuer" - und Kulinarisches :-)
. - 13.01.2004 (16)
Viel Spass beim Lesen!

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