Gesundheitliche "Abenteuer" - und Kulinarisches :-)
vom 13.01.2004 (16)
Hi Ihr Lieben!
kleiner Ortswechsel: Bin inzwischen in San Salvador -
der Hauptstadt von El Salvador - gelandet... Richtig:
Das war zunaechst nicht eingeplant, aber Ihr
wisst ja schon, dass sich meine Plaene hier gelegentlich
aendern - und ich geniesse das ueberwiegend
sehr... :-) Zunaechst war ich hierher gereist, um mit
anderen Reisenden, mit denen ich auf meiner
nicaraguanischen Lieblings-Insel Ometepe Silvester gefeiert hatte,
den Geburtstag einer hier arbeitenden Spanierin entsprechend zu begehen...
Das haben wir auch getan... Inzwischen sieht alles
aber schon wieder ganz anders aus...
Bitte jetzt aufgrund der folgenden Ueberschrift keinen
Schreck kriegen!!!
GESUNDHEIT :-)
... fuer diejenigen, die interessiert, was frau sich
alles auf Reisen "einfangen" kann... - und damit Ihr mich
nicht zu sehr beneidet... :-)
Hab mich hier inzwischen schon 2 Wochen mit Wasser im
Ohr rumgeschlagen (nach einer banalen Dusche), meine
kleinen Zehen ueberlegen immer wieder, ob sie denn nun
Blasen haben oder nicht... Dann hat mich mitten in Leon (!)
ein frecher Zeck am Kopf gepackt.. - ich hasse Zecken
noch mehr als die ollen Zancudo-Mosquitos hier! Ich
wurde aber zum Glueck von einem mutigen und
geschickten Kneipenwirt davon befreit... Und dann ging
es in Esteli mit einer Herde von kleinen Stichen im
Hueftbereich weiter... nette Floehe aus der Matratze
(und das in meiner bisher fast teuersten Unterkunft!).
Nach einem Bad in einem Wasserfall in Esteli hatte ich
abends einen seltsamen Ausschlag... der verschwand
aber zum Glueck nach einiger Zeit von selbst wieder.
Ein weitaus aggressiveres Exemplar unbekannter
Herkunft (Allergie gegen wen oder was??!) hat mich
dann in Leon heimgesucht => eine Anti-Allergie-Pille
aus einem Nica-Labor (fuer 1 Cordoba = ca. 8 Cent...)
hat mich aber erfreulich rasch gerettet (nach weniger
als einer Stunde war der Spuk vorbei!!! :-)... In Leon
hab ich mir auch meinen ersten - und bisher einzigen -
Durchfall eingefangen... ich denke mal, den
"verdankte" ich dem "Picante", das ich etwas
grosszuegig ueber mein Essen aus dem Comedor beim
Markt gepackt hatte... Mein Magen ist aber erfreulich
resistent und hat ausser diesem einen Mal in Bolivien
(wo ich mir das brasilianische Essen nachts nochmal
durch den Kopf gehen lassen musste) auch nix mehr
vehement abgelehnt.. Die dauernden Stiche nerven
allerdings sehr... hab aber weder Lust, mich dauernd
mit Chemie zu traktieren noch dauernd nachts einem
droehnenden Erkaeltung-bescherenden Ventilator
auszusetzen...
Tja...und dann war da noch dieser hinterhaeltige
Stachelrochen-Angriff, von dem ich Euch berichtet
hatte... und der bremst mich nun leider
heftigst aus!!!
STACHELROCHEN-Stich "die Zweite" oder: LEKTIONEN in
GEDULD...
Wir - ein Italiener, eine Franzoesin, ein Spanier und
ich - sind nebst Huendin (aus Costa Rica,
Reisegefaehrtin des Italieners) erfreulicherweise bei
einem Spanier untergekommen, der hier in San Salvador
fuer eine Nicht-Regierungs-Organisation arbeitet. Und
sind dann letzten Samstag mit einem Pulk anderer
netter international bunt gemischter Menschen zu elft
(!)in zwei Jeeps zu einem Open-Air-Konzert am
Strand(restaurant) gefahren... Hab mich riesig
gefreut, das Meer wiederzusehen... Und da unser Jeep
als letzter ankam und die Sonne eben untergegangen
war, zog ich mich rasch um und flitzte ueber den
Sandstrand gen Wasser... Diesmal war keine Ebbe -
somit dachte ich nichts Boeses und ich rannte
vorwaerts, um mich dann in die Fluten zu stuerzen...
Das war schon wieder KEINE gute Idee! Unter der
Wasseroberflaeche lagen mindestens zwei Guertel spitzer Steine,
die meine Fuesse ziemlich fies begruessten..
Erstmal wartete ich im Wasser, bis der Schmerz wieder
nachliess... und genoss das angenehm laue Wasser
bestmoeglich neben einer netten Franzoesin. Diesmal
wurde der Schmerz in meinem Stachelrochen-Stich-Fuss
zwar nicht fieser, aber leider liess er auch nicht
wirklich nach... und dann schleppte ich mich nach
einer Weile muehselig ueber die Steinguertel zurueck.
Mit diesem Lebensfreude-Moment war mein Abend leider
auch schon wieder ziemlich gelaufen... denn das mit
Laufen - geschweige denn Tanzen (zwischenzeitig tolle
Pogo-Musik!) - hatte sich erstmal erledigt.
Strand-Fiesta El Salvador
Meine Rescue-Creme tat ihr Bestes, aber dennoch schwoll mein
Fuss auf beiden Seiten des Stichs (oben und von
unten!) etwas ballonig an... Wurde zum Trost liebevoll
mit Bier und Rum abgefuellt und genoss das Konzert im
Sitzen... Tat zum Glueck auch wenig weh - solange ich
denn still sass. Und dann hatte ich sogar noch den
Luxus eines Schlafplatzes auf dem Beifahrer/innen-Sitz
des Jeeps... Das war - zumindest unter diesen
Voraussetzungen - wesentlich angenehmer als am Strand...
Am naechsten Morgen fuhr ich dann auch gleich
"brav" mit dem zuerst aufbrechenden Wagen zurueck. Schontag!
Leider half das diesmal nur bedingt. Abends
humpelte ich immer noch mit schmerzverzerrtem Gesicht
durch die Gegend - wenn sich Fortbewegung denn nicht
vermeiden liess...
Somit wartete am naechsten Morgen das naechste
Abenteuer auf mich: das naechst gelegene Centro de
Salud!
Centro de Salud, San Salvador
Hatte soviel die letzten Tage geruht und
geschlafen, dass ich tatsaechlich um 5.00 Uhr wach
wurde... und als ich dann von einer Salvadorena kurz
nach 6 Uhr erfuhr, dass das Gesundheitszentrum bereits
um 6.00 Uhr oeffnet, machte ich mich humpelnd auf den
relativ kurzen Weg dorthin... Um 6.40 Uhr war schon
maechtig was los - mit zwei langen Schlangen in zwei
verschiedenen Trakten. Die eine Schlange schloss genau
vor mir... Erstmal waren die vielen Kleinkinder dran..
Ich musste zwischenzeitig, nachdem ich mal kurz Haende
waschen war, meinen Platz heftig gegen einen aelteren
Salvadoreno verteidigen, der einiges spaeter kam, aber
dies durch etwas dreisteres Verhalten wettzumachen suchte...
Letztendlich kam er tatsaechlich viel frueher dran...
aber die Wartelogik dort war und blieb mir ohnehin ein
Raetsel... Immerhin gab es viel zum Gucken: Alle
moeglichen aelteren Menschen wurden nach ihrem Alter
gefragt. Wenn sie ueber 60 Jahre alt waren, wurde
ihnen gleich eine kostenlose Grippe-Schutzimpfung
verpasst... Jede Menge Klein- bis Kleinstkinder
waren zur Untersuchund da und wurden auf eine Waage
gehievt. Sie ertrugen dies mehr oder weniger gelassen
oder genervt. Irgendwann wurde ich dann - mit Vornamen
meiner Eltern und aktuellem Aufenthaltsort -
registriert, gewogen und mit einer Nummer versehen.
Diese Nummer aenderte allerdings nichts daran, dass
ich nochmal einiges spaeter drankam als einige
andere, die ihre Nummer nach mir erhalten hatten...
Aber ich hatte ja schliesslich Zeit. Und
solange ich sitzen konnte, waren die insgesamt 3,5
Stunden Wartezeit (!) auch recht ertraeglich! (Der
auch mit uns hausende Italiener, der mit einem fiesen
Ausschlag im Gesicht recht gefaehrlich aussieht, kam
ca. eine halbe Stunde nach mir und konnte nach
etwa einer Stunde auch schon wieder gehen... aber
DIESE Wartelogik kann ich ja immerhin
nachvollziehen...)
Die freundliche, durchaus kompetent wirkende Aerztin drueckte
mit Handschuhen heftigst an meinem geschwollen Fuss
rum. Nachdem ich ihr sowohl von meinem Felsen-Kontakt im
Meer als auch von dem Stachelrochen an eben dieser Stelle des
Fusses erzaehlt hatte, meinte sie, dass dies dann sicher eine
Entzuendung sei, die ich immer noch dem Rochen zu verdanken
habe... Die offensichtlich eingenisteten Bakterien haetten sich
durch den heftigen Steinkontakt nun im Fuss verteilt... Da
boeten nur Antibiotika Abhilfe - in Verbindung mit
oralem Ibuprofen. Als ich zunaechst gegen Antibiotika protestierte,
meinte sie, ich koenne alternativ auch warten, bis der Fuss
ganz schwarz werde und ihn mir dann amputieren
lassen. Diese Vorstellung fand ich gar nicht lustig und
handelte dann nur noch mit ihr aus, dass ich kein
orales Ibuprofen wolle sondern lieber eine lokale
Salbe...
Sie verschrieb mir daraufhin Voltaren, das ich allerdings
in einer Apotheke selbst bezahlen
muesse... Dabei erfuhr ich dann, dass sowohl die
Untersuchung als auch die mir fuer eine Woche
ueberreichten Antibiotika fuer mich kostenlos sind!!!
Das immerhin fand ich doch richtig gut. Auf dem Rueckweg
erstand ich fuer ca. 7 US-Dollar (der Dollar ist hier
inzwischen offizielles Zahlungsmittel!) in einer der vielen
umliegenden Apotheken Voltaren. Ansonsten bin ich seitdem
(=gestern) weiter auf Schontrip... Wie Ihr Euch vorstellen koennt,
ist letzteres nicht so einfach fuer mich... aber immerhin
habe ich das Glueck einer angenehmen Umgebung mit Innenhof
und netten Menschen um mich rum - und dies sogar ohne Logiskosten!
Hoffe dennoch, dass dieser Spuk in Baelde vorbei ist! :-)
Aber vielleicht nun auch noch was Netteres zum
Abschluss:
KULINARISCHES... :-)
Da einige von Euch mich danach gefragt, wie ich mich denn als
ueberwiegend-Vegetarierin hier ernaehre... und was in meinen
Reiselaendern sonst so gegessen wird, will ich versuchen, Euch mal
einen kleinen, sicher unvollstaendigen Ueberblick zu geben.
In allen drei Laendern - Nicaragua, Honduras und El
Salvador - wird morgens ueberwiegend deftig
gegessen... fuer diejenigen, die sich Fruehstueck
leisten koennen:
NICARAGUA
Das absolut typische Essen in Nicaragua ist morgens
ein "Gallopinto" (teilweise auch liebevoll "Pinto" genannt).
Dies ist eine etwas angebratene Mischung
aus Reis und Bohnen - auf Holzfeuer zubereitet
besonders lecker!
Dazu wird dann meist
Ei (geruehrt oder gespiegelt)
ein recht salziger weisser Weichkaese (queso) oder
auch in noch frischerer Form als "Guajara"
Tortilla (Maisfladen)
... und manchmal auch gebackene Bananen (suesse als "Maduros" oder Kochbananen)
gereicht. Oft gibt es dazu auch ein bisschen angemachten
Kohlsalat (repollo)... oder was eben grad da ist: ein
Stueck Yucca, selten auch ein Stueck Wurst/Schinken...
Aber fast immer Gallopinto - und sonst eben Reis und
Bohnen einzeln: morgens, mittags und abends... bis sie
denn am naechsten Morgen wieder als Gallopinto
angeboten werden... :-)
In den meisten Staedten Nicaraguas hab ich auf kurz
oder lang auch einen Stand gefunden, wo in
kleinen Tuetchen fuer ca. 35 Cent eine mundfertige
Obstmischung aus Melonen, Ananas und Papaya angeboten
wird... - sehr lecker!
Obstsaefte sind mir allerdings seltener begegnet...
und wenn... dann eher in Milchshakes..
In Leon hab ich leckere Garkuechen besucht. Vieles ist davon zwar
recht fettig gebraten, aber ich habe immerhin eine grosse vegetarische
Auswahl gefunden... und ueberwiegend sehr nette Verkaeuferinnen!
Abendessen in Leon
Mein Lieblingsbier in Nicaragua ist "Victoria". "Tona"
ist etwas suesslicher. Und das Lagerbier "Premium"
ist teurer - und fuer meinen Geschmack am
langweiligsten.
Tona-Werbung, Reitfest Esteli
Der Rum "Flor de Cana" bietet dem cubanischen "Habana
Club" eine ernste Konkurrenz... absolut lecker... War
ja in der Rumfabrik...
Rumfässer Flor de Cana
Insbesondere die 7-jaehrige "Gran Reserva" hat mich Weihnachten und Silvester sehr
erfreut... :-) Wein wird hier nicht angebaut.
HONDURAS
Das typische Honduras-Fruehstueck beinhaltet ebenfalls
Bohnen (allerdings als Pueree!) und ansonsten
ebenfalls Ei, salziger weisser Kuhmilchkaese, suesse
gebackene Bananen, Tortilla (oder weiche
Milchbroetchen), Salat (aber eher Blattsalat mit
Tomate)... und KEINEN Reis...
Aber die meisten Essen enthalten sonst auch Fleisch oder Huehnchen... - immer
vorausgesetzt, mensch kann sich das leisten...
In Tegucigalpa, der Hauptstadt von Honduras, fand ich
sehr auffaellig, dass ich fast nur chinesische mit
Reis-, Nudel- oder Fleischgerichten oder mexikanische
Comedors / Restaurants (u.a. mit Tacos) gefunden habe... Konnte
allerdings noch nicht rausfinden, warum das so ist...
Und an jeder Strassenecke und in den Maerkten verkaufen Frauen
frische Tortillas.
Tortilla-Stand, Tegucigalpa
Die drei Honduras-Biere sind Imperial, Salva Vida
(Rettungsring) und Puerto Royal... alle drei gar nicht
verkehrt... naja und lokal gebrannten Rum und Schnaps
gibts dort auch.
EL SALVADOR
Das Fruehstuck aehnelt von den Zutaten her durchaus
denen der beiden anderen Laender. Allerdings heisst
hier der Gallopinto "Casamiento" - eine
Hochzeit(smischung) aus Reis und roten Bohnen... -
allerdings nicht angebraten mit weichem Reis und mit
mehr Bohnen... (Mir schmeckt der Reis in Nicaragua
viel besser!).
Na - und die andere Spezialitaet hier
(die Honduras allerdings versucht, etwas streitig zu
machen) sind PUPUSAs. Das sind Maisfladentaschen,
die mit Krautsalat und einer mehr oder weniger
pikanten Tomatensauce gereicht werden. Sie beeinhalten
meist eine Mischung aus roten Bohnen und Kaese,
teilweise auch weisse oder schwarze Blueten -
oder auch Fleisch bzw. Huehnchen. Absolut
lecker. Die gibt es aber nur entweder zur
Fruehstueckszeit - oder dann wieder ab 4 Uhr
nachmittags...
Pupusa-Stand in San Salvador
DAS Bier hier heisst Pilsener... anderes ist mir hier
bisher nur von weitem begegnet... und lokalen Rum
gibts hier wohl auch... aber mein Umfeld bleibt bei
nicaraguensischem "Flor de Cana", der hier allerdings
wesentlich teurer ist (wie fast alles in El Salvador,
verglichen mit den beiden anderen Laendern).
So... jetzt habt Ihr zumindest einen ganz kleinen
Einblick in kulinarische Besonderheiten in
Nicaragua, Honduras und El Salvador - ohne jeglichen
Anspruch auf Vollstaendigkeit. Wie Ihr wohl wisst,
hab ich Fleisch weniger bis nicht im Blickfeld... und
Fisch ist doch sehr regional...
UND NOCH MEHR RUND UMS ESSEN
In den Baeckereien hier gibt es jede Menge
ueberwiegend SEHR suesse Backwaren.. Leider ist fast
alles, was hier "Queso" enthaelt, dennoch sehr
suess... (da vermiss ich doch meine bolivianischen
Kaese-Empanadas)...
In den Bussen bieten ueberwiegend Frauen - und Kinder! -
Kleinigkeiten zum Essen oder
Trinken an. Die Verkaeufer/innen, die ihre
Waren meist in Plastikschuesseln auf dem Kopf
balancieren, preisen diese mit meist monotoner Stimme
immer wieder wie Lautsprecher an... und quetschen sich
dabei durch die ohnehin meist proppenvollen Busgaenge. Angeboten
werden - teilweise auch durch die Busfenster - u.a. knallbunte
Suessigkeiten aus Kokos... -
MEHR ALS SUESS!!! - oder auch lange Chips aus
Kochbananen oder Yucca mit Krautsalat und Picante...
oder Tellerchen mit Fleisch und Tortilla.. und immer
wieder kleine Tuetchen mit eisgekuehltem Wasser...
Wer in einem dieser Laender Kaffee oder auch Saft
bestellt und dies - wie ich - ohne Zucker geniessen
will, muss dies vorab kundtun... Die meisten Kaffees
enthalten von sich aus schon Zucker, bevor sie
gebracht werden (wird teilweise schon als
Instantmischung so verkauft)... Alles ist suess hier!
Wie ich gelesen habe, breitet sich in den letzten Jahren
Diabetes immer mehr aus. Das wundert mich nicht.
Auch heute bleibe ich Euch meinen 15.Bericht zu
Geschichte und Politik Nicaraguas "schuldig".. Aber er ist
bereits in Arbeit und doch etwas aufwendiger...
Habe jetzt die Mosquitos im Internet"cafe" (=Videothek) genug
gefuettert... jetzt humpel ich erstmal wieder zu
meiner Haengematte...
Euch mal wieder Sonnengruesse!
Babette :-)