Nicaraguas Vulkane - Feliz Navidades - vom 24.12.2003 (13)
Hi Ihr Lieben!
die Zeit rennt und rennt... bin immer noch in
Nicaragua. Morgen ist der 24.Dezember. Auch hier feiern die
meisten den 24. in ihren Familien. Somit werde ich
davon wohl wenig mitbekommen... Aber seit einiger
Zeit stehen in allen Orten, an denen ich vorbeikomme,
Krippen mit Figuren der Weihnachtsgeschichte,
beleuchtete Plastik-Weihnachtsbaeume, Lichterketten...
Aber insgesamt ist viel weniger Konsumrummel... Und
natuerlich hab ich hier auch noch keinen Gluehwein
gesehen oder getrunken. Ist auch viel zu warm fuer sowas.
Feliz Navidades!
Dies ist nun ueberwiegend als kleine Weihnachtsmail
gedacht - aber so ganz ohne Einblick in meine
Erlebnisse schaff ich das nicht... :-)
Wie Ihr (inzwischen :-)) wisst, ist Nicaragua ein Land
mit wunderschoenen Seen, Inseln und Vulkanen... und
nachdem ich Euch in meinen letzten Mails von den Seen
und Inseln vorgeschwaermt hab, will ich Euch nicht
vorenthalten, dass mich spaetestens seit meinem Besuch
der Insel Ometepe die Vulkane nicht mehr loslassen...
Von meinem Maderas-Aufstieg mit weisser einaeugiger
Huendin hatte ich ja geschrieben...
VULKANE
Nach meinen Informationen gibt es in Nicaragua gibt es
mindestens 12 als inaktiv geltende
Vulkane - inklusive Maderas auf Ometepe. Und dann sind da
noch die mindestens sieben aktiven Vulkane: San Christobal
(1.745m), Conception (1.610m, Isla Ometepe), Momotombo
(1.297m), Telica (1.061m), Pilas/El Hoyo (ca. 1.050),
Cerro Negro (726m) und Masaya (632m)... Stellt Euch
das mal vor - angesichts der Tatsache, dass
Deutschland ca. dreimal so gross ist und keinen
einzigen aktiven Vulkan mehr hat...
Jedenfalls hatte ich den heftig schweflige Gase
ausstossenden Krater Santiago des Vulkans von Masaya
bereits ziemlich zu Beginn meines Nica-Zeit kennen
gelernt. "Damals" reiste ich mit einem Argentinier
und wir hatten das Glueck, ganz bis hoch zu
dem einen Krater eine Mitfahrgelegenheit zu
bekommen: In diesem Fall war es ein Waerter des
Vulkanreservats, der uns mitnahm - und auf dem
Rueckweg zwei Deutsche, die in Soli-Projekten in
Managua bzw. El Salvador arbeiteten...
Und nur mal am Rande: Per Anhalter fahren ist hier
ziemlich ueblich und problemlos in laendlichen
Gebieten oder auch in Reservaten... viele
Pick-up-Fahrer nehmen problemlos auch noch ein paar
Menschen auf ihrer Ladeflaeche mit... Achtung: "Restrisiken"
gibt es natuerlich auch hier - auch wenn ich vor Ort nichts
davon mitbekommen habe..
Der Masaya-Vulkan hat einen sehr aktiv qualmenden Krater
- Santiago -und einen erloschenen bewaldeten Krater.
Dieses bewaldete riesige Erdloch kann man - bevorzugt
vorsichtig - auf
dem meist windigen Kraterrand umrunden und die
faszinierende Aussicht u.a. auf den Managua-See
bewundern...
Krater Santiago vor Wolkenbruch
Allerdings hab ich das mit der Umrundung
nicht ganz geschafft... Mein in Nicaragua heftigster
Regenguss ereilte uns und wir kehrten klitschnass und
bevorzugt zuegig zurueck Richtung Managua...
Naja.. und nach meinem Maderas-Aufstieg in Ometepe schielte
ich immer wieder in Richtung seiner Schwester Conception...
Aber dieser zweithoechste Vulkan Nicaraguas ist laut Aussagen
einiger Reisender nicht ganz einfach zu erklimmen...
Somit das vorerst vertagt...
Als Martha, eine sehr nette Spanierin, die in
Granada und auf Ometepe meinen Weg kreuzte,
mir riet, von Leon aus zum Cerro Negro zu reiten,
war die Umsetzung nur eine Terminfrage...
CERRO NEGRO
Dieser Vulkan-Ritt war sicher einer der schoensten
Tage meiner Reise. Meine weisse Stute namens Amistad
kostete mich zwar - insbesondere auf dem Hinweg - einiges
an Energie, da sie irgendwie immer etwas langsamer sein
wollte als ihr schwarzer Freund und Begleiter, aber
die 25 Kilometer Hinweg zerronnen dennoch wie im Fluge. Dies
verdankte ich sicher auch meinem "guía" Emir Antonio,
der mir ausnahmsweise auch alleine diesen Ausritt ermoeglichte.
Der Cerro Negro ist der juengste Vulkan Nicaraguas. Er entstand
mit erster Eruption im April 1850 und ist seitdem 20 Mal
ausgebrochen - im Schnitt alle 8 Jahre einmal. Bei seinem seinen
letzten großen Ausbruch spuckte er zwei kleine neue Kraterchen aus.
Zum Glueck kamen dabei jedoch keine Menschen zu
Schaden. Das fuer mich absolut Faszinierende an diesem
Vulkan ist seine Farbe - pechschwarz... Und der Ritt
durch Eukalyptusbaumreihen (so ziemlich das einzige,
was aus schwarzem Sand waechst) auf diesem Sand war
fuer mich ein absoluter Traum.
Schwarze Schönheit
Der Aufstieg selbst war relativ kurz (ca. 45 Minuten Fussweg)
aber holprig und steinig... Beide großen Krater dampften schweflig vor
sich hin... ein schwarzer, voruebergehend schlafender
Riese... Es war heftig heiss und ich kriegte auch
heftig Sonne ab, aber der Wind dort oben machte das
alles ertraeglich. Und was eine traumhafte Aussicht!
Gipfelfreuden
Ein Teil des Abstiegs war auf der schwarzen
Sandpiste geplant... "So ein bisschen wie Skifahren"
sagen sie dazu. Und ich gestehe: Ich fand schon das
erste kleine Stueckchen so nett, dass ich etwas zu
uebermuetig den Berg hinunterlief - und prompt bei einem
steinigen Stueck stolperte. Da mein Schutzengel so
prima ist, schlug ich mir dabei aber nur das linke
Schienbein auf. Die zweite viel laengere, schoene
"schwarze Surfpiste" war damit leider fuer mich gestorben,
denn ab dann war erstmal ein bisschen Humpeln angesagt... :-)
Erfreulicherweise stoerte mich mein mit einem Tuch
geschuetztes Schienbein beim Rueckritt wenig...
Heimritt
Wir nahmen uns Zeit, genossen den Tag, ritten zwischendrin
hintern-schonend im Damensitz... und waren dann
irgendwann gegen acht Uhr abends in der Dunkelheit
zurueck. Dieses Mal verzieh mir mein Hintern die 50
Kilometer - war ja auch piano mit laengerer Pause
dazwischen...
Muss nun doch den zweiten Vulkanteil vertagen... die
wollen hier schliessen... Habe aber nach dem Cerro
Negro inzwischen auch Telica, Pilas/El Hoyo und
Mombacho erklommen. Und wenn das alles so klappt wie
ich mir das wuensche, werde ich auch noch den
Momotombo naeher kennenlernen. Das ist allerdings
dann meine bisher hoechste Vulkan-Herausforderung, der
ich mich natuerlich nicht alleine, sondern nur mit erfahrenem
"Guia" stellen werde... :-)
Beste Weihnachtswünsche - und - sollte ich mich zwischenzeitig
nicht mehr melden - einen wunderschoenen Start ins Neue Jahr!
Bab