Solentiname - Naturparadies und aufständische
Künstler-Insel - vom 16.12.2003 (12)
Hi Ihr Lieben!
jetzt sitze ich schon wieder fast zwei Stunden im
Internetcafe unter diesem fuerchterlichen
Deckenventilator und beantworte Eure netten Mails.
Dadurch bin ich immer noch nicht dazu
gekommen, Euch weiter zu berichten - jetzt aber los...
Bin inzwischen wieder in Leon gelandet... In dieser Stadt
hatte ich vorher schon etwa 12 Tage verbracht, aber als ich
von dort unter etwas sprunghaften Umstaenden aufbrach,
hab ich doch glatt was vergessen... die zwischenzeitig
sicher im Hostal deponierte VISA-Karte und meinen Pass. Dies
fiel mir immerhin schon direkt im Bus gen Esteli auf,
als ich ueberlegte, wo und wie ich diesmal meine
Wertsachen und Risiken verteilt mitschleppe... Aber
zum einen fahren taeglich nur zwei relativ direkte
Busse von Leon nach Esteli... und zum anderen wusste
ich meine Wertsachen ja in sicheren Haenden. Ganz
offensichtlich wollte mir mein Pass sagen, dass ich in
Leon noch was "offen" hab... (Wie war das mit dem "ich hab noch
einen Koffer in Berlin...tralala...") Hier bin ich also
wieder... Das heisse Leon ist von traumhaft schoenen
Vulkanketten umgeben... hat doch was... :-)
Aber zunaechst wollte ich Euch noch von Solentiname
berichten... und von den spannenden politischen
Entwicklungen... und von meinen Vulkan-Abenteuern..
und von Esteli und der Reserva de Miraflor... und...
Aber mal eins nach dem anderen... sonst wird das nix...
Randnotiz: Hatte mit meinem Solentiname-Bericht schon mal vorher
begonnen... aber leider gibt es auf einigen Tastaturen
hier unterhalb der "Delete-Taste" einen
"Power-off-Schalter"... tja... und dann war alles
weg... Grrrrr - und auf ein Neues!
SOLENTINAME...
... ist ein Archipel von insgesamt 36 kleinen und
groesseren Inseln im Lago de Nicaragua (Cocibolca).
Die meisten von ihnen sind nicht bis kaum bewohnt, die
groessten und bewohnten sind Isla Mancarron, Isla
Fernandez (auch Elvis Chavarria genannt), La Venada
und Mancarroncito. In den 50er Jahren lebten hier ca.
300 Menschen, die von Landwirtschaft, Viehzucht und
Fischfang lebten und in Holzhaeusern mit
Palmendaechern wohnten. Heute leben dort insgesamt 735
Einwohner/innen und 129 Familien... Das gibt Euch
schon eine kleine Idee ueber Familiengroessen... 47 %
sind Frauen. Auf den groesseren Inseln gibt es nur ein
paar mehr oder weniger deutliche Pfade... keinerlei
Strassen geschweige denn Autos.
Die Solentiname-Inseln
Wie in Ometepe, wurden auch hier einige gravierte oder
bemalte alte Steine gefunden ("Petroglifos"). Eine
mir als faszinierend-schoen geschilderte Petroglifos-Hoehle
ist allerdings zur Regenzeit
ziemlich unter Wasser... somit hab ich sie leider nicht
gesehen. War aber im kleinen Museum dort - wo ich auch die obige
Karte fand.
Etwas bekannter wurde Solentiname durch den
Befreiungstheologen, Poet und Kuenstler Ernesto
Cardenal, der nach der Revolution Kultusminister
Nicaraguas war, lange Zeit auf Solentiname lebte und
dorthin auch immer wieder zurueckkehrt. Mit durch
seine Initiative entstand in Solentiname eine
Kuenstlerkolonie. In dieser werden Voegel, Fische und
"Kreativitaet-laesst-gruessen"
aus dem leichten Balsa-Holz gefertigt und
bemalt. Ganze Malerfamilien bilden in
beeindruckenden Gemaelden detailgetreu die
Naturschoenheit der Solentinames ab. Die Inseln sind
ein absolutes Naturparadies - mit Colibris,
Wasserschildkroeten und jeder Menge bunten Voegeln und
Schmetterlingen... aber auch angeblich "menschenfreundlichen"
Alligatoren und Haien...
DIE ANREISE
Die An- und Abreise will allerdings gut geplant sein:
Nur zweimal die Woche faehrt ein offizielles (nicht
privates) Boot von San Carlos auf die Inseln bzw.
zurueck (ca. 2 Stunden Fahrt)... somit ist Dienstag
und Freitag viel los am Hafen des ansonsten recht
trostlosen San Carlos... Und die einfachste Anreise
nach San Carlos (immerhin "getaktet") ist montags und
donnerstags von Granada mit Zwischenstopp auf der
Insel Ometepe... Somit schiffte ich mich in Altagracia
/ Ometepe ein... Es kam mir vor wie im Film: Die der
1.Klasse gingen aufs obere Deck - und unten draengelte
sich die zweite Klasse...
Der ebenfalls ueberfuellte
Passagierraum der "ersten Klasse" war allerdings so
hoffnungslos unterkuehlt (Klimaanlage!),
dass ich auf Hin- und Rueckreise meinen Schlafsack
draussen auf dem Boden ausbreitete... Allein fuer die
Ueberfahrt haette es sich gelohnt, eine
einfache Haengematte zu erstehen und diese dort
aufzuhaengen ... denn auf beiden Fahrten regnete es
zwischenzeitig so stark, dass der Boden
flutete... Aber er trocknete auch wieder... :-)
Das mit der Haengematte war allerdings auch so eine Sache:
Eine Zeitlang blies der Wind so heftig, dass im falschen Winkel
aufgehaengte Haengematten ihre Bewohner/innen wie Buendel
rumwirbelten. Ich wurde da schon beim Zusehen fast seekrank.
Die von meinem Beobachtungssubjekt dann gewaehlte Loesung,
mit Bremsfuss am Boden das Aufschaukeln zu verhindern, stelle ich
mir auch wenig schlaffreundlich vor... Wie auch immer: Ich habe zwar
auch an anderen Orten eine Haengematte vermisst, aber mein Rucksack
war auch "ohne" ueberfuellt genug... Abfahrt war in Ometepe
abends gegen 19.00 Uhr.. Am Anlegesteg lernte ich Jesus, einen
Spanier, mit gleichem Reiseziel kennen. Das
Schiff machte unterwegs zwei Zwischenstopps und landete
dann morgens gegen 5 Uhr in San Carlos...
SAN CARLOS
Und wieder tappte ich in die "Bankenfalle": Ich erlag der Illusion,
dass die Hafenstadt San Carlos mit seinem grossen Punkt auf meiner
Landkarte doch sicher eine auf Tourismus
eingestellte Bank haben muesse... - April April!
Bankenschlange
O.k... Ich raeume ein: San Carlos hatte eine Bank. Und in die
hier zu bewundernde Bankenschlange zu den tiefgekuehlten Bankraeumen
reihte ich mich auch gleich zweimal ein...
Schliesslich hat auch diese Bank Mittagspause und begrenzte Oeffnungszeiten
- und ich musste erstmal meinen Rettungsanker dort finden. Denn bei
dieser Bank kommen Geld-Suchende weder mit internationalen EC- oder
Kreditkarten noch mit Traveller-Schecks weiter. Einzige Chance: Dollars zum Wechseln...
- oder EUROS! Und tatsaechlich hatte ich noch 70 Not-Euros in meinem
Rucksack versteckt, die mir dann zumindest die Weiterfahrt nach Solentiname
ermoeglichten... :-)
In San Carlos beim Fruehstueck hatte sich uns Riccardo, ein Italiener,
angeschlossen. Mit Marco - auch Italiener - den
wir auf der Ueberfahrt gen Solentiname trafen, war
unsere kleine Touristengruppe komplett...
ISLA FERNANDEZ - SOLENTINAME
Vorab eins: Auf Isla Fernandez gibt es weder Restaurants, Kantinen
noch irgendwelche Laeden - aber zwei
Unterkuenfte für Reisende. Nach einigem Hin- und Herueberlegen
entschied ich mich - wie Jesus und Riccardo - fuer die mir vorab sehr
empfohlene, wirklich malerisch-vertraeumte Unterkunft bei Dona Maria.
In Kenntnis meines Liquiditaetsengpasses hatte Maria mir/uns den
Spezialpreis von 12 US-Dollar fuer Unterkunft und zwei Mahlzeiten angeboten
- sonst 15,- US-Dollar mit Vollpension. Aber all diese Preise
sind saison- und zimmerabhaengig... Die Alternativ-Unterkunft bei Don Julio
war auch schoen, etwas einfacher, noch im Aufbau und etwas guenstiger
- aber da waren mehr Mosquitos...
Zu unserer spanisch-italienisch-deutschen Vierergruppe gesellten sich
am Tag drauf noch Rosa und Lito aus Galizien. Die beiden quartierten sich
- wie Marco - bei Don Julio ein... Viel mehr "Fremde" hab ich auf der
Insel waehrend meines Aufenthalts dort nicht gesehen.
Von Solentiname aus erfolgte mit der Erstuermung des
Forts in San Carlos der erste entscheidende Angriff
auf das Somoza-Regime... Dies war wohl der offizielle
Auftakt der Revolution, die sich am 19. Juli 1979
durchsetzte. Ein beeindruckender Gedenkstein auf der
Insel Mancarron erinnert an fuenf "Helden und Martyrer
der Revolution", die im Kampf fielen oder der Folter
des Somoza-Regimes erlagen.
Revolutions-Denkmal
Als ich dort war, hatte
ich die Chance, einen Gedenkgottesdienst auf der Insel
mitzuerleben. Der Padre - urspruenglich Hollaender,
aber seit 27 Jahren in Chile und dann Nicaragua taetig
- hielt eine flammende Rede, in der er darstellte,
dass Christentum und Widerstand gegen Ungerechtigkeit
Hand in Hand gehen. Er prangerte die sich bereichernde
Kirche und die korrupten Politiker an und versuchte
insbesondere den anwesenden Kindern Mut zu machen,
sich nicht Armut zu Leid zu fuegen, sondern einen
eigenen Weg zu suchen.... In die Richtung gehen auch
die Ideen von Ernesto Cardenal - den wohl einige von
Euch kennen ("Stunde Null" etc.). Cardenal bekam dieser
Tage in Cuba den Jose-Marti-Preis ueberreicht... Auf der
(groesseren) Insel Mancarron lebt auch "Cardenals"
Kuenstlerkolonie und es gibt dort neben Kirche und
Gedenkstein, eine Bibliothek mit Winzmuseum und ein
etwas nobliges Hotel... aber wohl gefuehlt hab ich
mich wesentlich mehr auf "meiner" Insel Fernandez, die
nach einem der gefallenen "Helden von Solentime" auch
Elvis Chavarria heisst.
SCHWIMM-PARADIES SOLENTINAME
Meine drei Tage auf Solentiname begann ich damit,
jeden Morgen erstmal eine ausgiebige Runde zu
schwimmen... Welch ein Genuss! Das Wasser ist wirklich
angenehm. Hatte mir vorab gut beschreiben lassen, wo einige
gefaehrliche Stroemungen waren.. und wo
vor einiger Zeit ein Spanier ertrunken war... In der
Naehe einer vor "Dona Maria" liegenden Inseln gibt
es angeblich eine Stroemung mit Sog... Nach Marias Erzählung sei
der Koerper dieses spanischen, recht sportlichen Schwimmers
erst 2-3 Tage spaeter gefunden worden, obwohl seine Frau ihn
von weitem ertrinken sah...
Dies beunruhigte mich doch etwas... Somit schwamm ich
"brav" am ersten Tag mit etwas Abstand am Uferrund der Insel entlang...
allerdings offensichtlich so weit, dass sich der Gatte
von Dona Maria irgendwann in sein Motorboot schwang,
um mich zu suchen... :-) Dieses "Spielchen"
wiederholte ich ungewollt am naechsten Morgen...
Diesmal schwamm ich die anderen bei "Casa Don Julio"
besuchen - verharrte dort nur 5-10 Minuten, da ich ja
wusste, dass die anderen mit dem Fruehstueck warten -
und schwamm dann zurueck... und wieder war "grosse
Aufregung und Motorboot-Suche..". So ein bisschen
unangenehm war mir das ja schon, aber... :-)
Schwimm-Paradies
Am dritten Morgen meldete ich mich "ordnungsgemaess" mit
Angabe meines Schwimmziels ab und landete diesmal auch
ohne Geleitschutz wieder bei Dona Maria... Meine
"aeussere Ruhe" verdankte ich aber auch der Tatsache,
dass das Boot in der Zwischenzeit mit zwei anderen
Touris, die unbedingt montags nach San Carlos zurueck
wollten, dorthin verschwunden war... Ich muss
allerdings zugeben, dass ich an jenem
Morgen, an dem ich zu der kleinen Insel namens Isla Limon
- manchmal auch "Isla del Amor" genannt -
schwamm, meine "innere Ruhe" am wenigsten fand...
Denn am Vorabend
hatten mir Einheimische wieder so ausgiebig von den Alligatoren
erzaehlt, die da wohl irgendwo hausen... Und dass
diejenigen der Insel, die schwimmen koennen, nur in
groesseren Gruppen zur Isla Limon rueberschwimmen,
weil sie eben doch Angst vor dem Tiburon Torro - dem
im Lago de Nicaragua hausenden Hai - haben... Allerdings gab es
in den letzten Jahrzehnten weder Vorfaelle mit Haien
noch mit Alligatoren.. Und von der bolivianischen
Pampa wusste ich ja immerhin, dass zumindest die
dortigen Alligatoren nur bei Dunkelheit jagen..
Ausserdem wusste ich inzwischen,
dass die Einzelgaenger-Haie dieses Sees wegen Ueberfischung
inzwischen fast ausgestorben sind... und nur noch
vereinzelt in den Tiefen des Sees leben... Aber ein etwas
verunsichertes Gefuehl blieb - was mich aber nicht
vom Besuch der Isla del Amor abhielt. Schließlich
waren die Galizier, die etwas naeher dran wohnten, schon einige
Male dort... :-) Und der Besuch lohnte sich
durchaus! Auf der Insellichtung begruesste mich eine
kaputte Autobatterie von Bosch. Aber ich fand auch
interessant geformte "Fruechte/Samen" eines Baumes,
die im Volksmund "Bullen-Augen" heissen... Werden
haeufig fuer Schmuck verwendet und sehen tatsaechlich aus wie
Augen...
Tja.. und dann hab ich einmal versucht, zu Fuss "meine" Insel
zu umrunden... Sie sagten, da sei ein Weg... Die drei
Chavalos (Jungs) gingen in die eine Richtung, mir war
nach Einsamkeit und ich ging in die andere Richtung..
Nach einem Zwischenstop in der kleinen "Casa de la
Cultura", wo ich Gemaelde bewunderte, versuchte ich mich
weiter in Ufernaehe vorwaerts zu bewegen... Dies erwies sich
aber als gar nicht so einfach, da die Pfade teilweise an mit
Stacheldraht umzaeunten Weiden endeten oder
abzweigten... Ein schoener Weg fuehrte durch einen
wunderschoenen wilden Wald mit Lianen und bunten
Blueten und Schmetterlingen. Allerdings fuehrte er mich weg vom
Ufer. Dort in der Naehe kreiste ich dann ein
paar Male, da es ueberall nach keinem Weiterkommen
aussah...
Und dann entdeckte ich zwei
Zecken auf meinem Arm - rechtzeitig genug, bevor sie sich festsaugen
konnten... aber seitdem hatte ich ein doofes Gefuehl,
denn diese Tiere mag ich sowas
von GAR NICHT! ... (Eine weitere Begegnung "dieser Art"
hatte ich spaeter in der Gross-Stadt Leon, wo sich eins dieser
Tierchen auf meinem Kopf festzusetzen versuchte...
Erfreulicherweise war der anwesenden Wirt mutig und
geschickt genug, mich von diesem Eindringling samt (dessen) Kopf zu
befreien!)
Irgendwann wurde dann auch mir klar, dass
es keinen wirklich zentralen Weg gibt und dass Wege
auch an Kuehen und Bullen vorbei durch Weiden hindurch
und ganz nah an Huetten vorbei fuehren...
Und dann fand ich noch was richtig Schoenes: einen
Baumpfad. Wie ich spaeter erfuhr, hatte diesen eine
italienische oekologisch befluegelte Gruppe
Jugendlicher angelegt. Der Rundweg war mit Pfeilen
gekennzeichnet und fuehrte an insgesamt 30 mit Nummern
versehenen Baeumen vorbei. Dummerweise stehen da
allerdings keinerlei Namen oder Hinweise an den
Baeumen. Somit investierte ich zunaechst begeistert
alle meine spaerlichen pfadfinderischen Kenntnisse,
um den Wegpfeilen zu folgen und
die benummerten Baeume zu bewundern... Leider waren
einige Pfeile umgekippt und der Pfad war eher
undeutlich... Und ausserdem war es schon wieder relativ spaet
nachmittags - und ab 17.00 Uhr geht langsam
die Sonne unter.
Ich muss zugeben, dass ich
inmitten dieses dichten Waldes dreimal kleinere
Panikmomente hatte, da ich so gar nicht rausfand, wo
der Weg denn nun weitergehen koennte... Einmal war es
wieder ein Zaun, den es zu durchschreiten galt - die
Gatter sind dort aus Draht und sehr undeutlich zu erkennen. Und
die beiden anderen Male war dies "saisonabhaengig": Das letzte
Wegstueck war am Seeufer... und Weg und Pfeile gingen unter Wasser
weiter... aber auch dies galt es erstmal rauszufinden...
Und ab ins Wasser...
Wieder kreiste ich dort mehrfach auf der Suche nach weiterweisenden
Pfeile. Mehrfach war ich versucht, umzukehren, und den Weg zurück
zu suchen... aber dafuer haette das Tageslicht wohl nicht gelangt.
Also vorwaerts: Ich schlug mich parallel am Ufer durch das teilweise
sehr dichte Gebuesch... und war maechtig gluecklich , als
mich der Pfad dann mit dem 30. Baum tatsaechlich
wieder an einer Stelle aus dem Wald "ausspuckte", die
ich wieder erkannte... Dank dieser Erleichterung konnte mich
der zunaechst boese klaeffende, aber dann erfreulicherweise
von seinem Herrchen zurueck gerufene Hund nicht allzu sehr schrecken.
Und da ich auf dem Rueckweg -
saemtliche nicht wirklich vorhandenen Wege ignorierend
- auch frech matschige Rinderweiden durchstapfte,
landete ich sogar gut vor Einbruch der Dunkelheit
wieder bei Dona Maria...
Dort erfuhr ich, dass die Inselumrundung der drei anderen
Chavalos auch eher ein Zickzack war und sie sich
zwischenzeitig auch irgendwie getrennt oder verloren
hatten... Riccardo traf sogar nach mir ein...
Sie hatten mehr von der anderen Inselhaelfte
erkundet - aber sicher keinen so schoenen und
aufregenden Baumpfad gefunden :-)
DIE RUECKKEHR
Mein letztes Abenteuer war die Rueckkehr von der
Insel... Riccardo und Jesús hatten die Insel bereits
am Montag frueh mit dem Padre des Gedenk-Gottesdienstes
gen San Carlos verlassen, da sie auch El Castillo kennenlernen
wollten. El Castillo ist ein malerisches am Rio San gelegenes
Schloesschen, das damals zur Verteidigung gegen
Piraten diente. Waere sicher auch schoen gewesen...
aber ich entschied mich dann doch fuer einen weiteren
Tag auf "der Insel" - dann als einziger Gast bei Dona
Maria... Was ein Ausblick von der Terrasse aus der
Haengematte auf malerische Natur (mit See, Blueten
Colibri!). Ich bewunderte am letzten Abend nochmal einen
wunderschoenen Sonnenuntergang - und dann den Schaedelknochen
eines angeblich etwa 4 Meter langen Krokodils, das sie
kuerzlich am Strand einer der anderen Inseln gefunden
haben... Nach Genuss eines leckeren Abendessens (Pizza a la
Nica) verschwand ich ausnahmsweise frueh gen Bett...
Schliesslich fuhr das Boot angeblich um ca. 4.30 Uhr
vorbei...
Ich wachte kurz vor 4 Uhr auf, stopfte meine letzten
Utensilien in den viel zu schweren Rucksack und hoerte
um 4 Uhr das erste Boot vorbeifahren... Um 4.20 Uhr
fuhr das naechste vorbei... Ich sprang raus, runter auf
den Steg, wedelte - wie angeraten - mit meiner
winzigen Taschenlampe und versuchte dann ziemlich
verzweifelt mit Rufen auf mich aufmerksam zu machen
- schließlich fuhr das naechste offizielle Passagierboot erst wieder
in drei Tagen. Aber das Boot fuhr unbeeindruckt vorbei.
Ich kehrte etwas gefrustet zur Terrasse zurueck. Sicher
haette ich auch weitere 3 Tage auf Solentiname genießen koennen -
aber wie dies bezahlen? Schliesslich musste ich auch deshalb
so rasch nach Granada zurueck, da es mir in den letzten zwei
Wochen schon wieder weder mit Karte noch Traveller-Schecks
gelungen war, an Geld zu kommen...
Zu meiner grossen Freude und Erleichterung tauchte aber
dann mein morgendlicher "Motorboot-Retter" auf
und beruhigte mich, dass das Boot wohl verspaetet
sei... Und tatsaechlich kam spaeter noch ein Boot vorbei.
Mit Unterstuetzung seiner dicken Lampe gelang es uns, dieses
zum Abdrehen gen unserem Landesteg zu bewegen... Es war schon
reichlich voll mit Menschen und viel Last - aber ein Sitzplatz fuer
mich fand sich noch. Die beiden Galizier und Nicas, die ein Stueck
spaeter einstiegen, standen waehrend der Ueberfahrt, an Saecke
angelehnt... Auch ich hatte zum Glueck meine
Jacke ausgepackt...
Am Anfang war der See ja noch einigermassen ruhig...
aber sobald wir aufs offene Wasser kamen, begruessten
uns zunehmend heftige sehr hohe Wellen. Unser Boot
schaukelte wie eine Nussschale und das Wasser
schwappte heftig gegen die seitlichen flatternden
Planen. Von vorne kam immer wieder ein Schwapp Wasser
ins Boot... Hinter mir sass ein Nica-"Witzbold", der
mit fuer mich ueberwiegend unverstaendlichen Spruechen
versuchte, sich und die ueberwiegend beunruhigt
wirkenden Nicas abzulenken und aufzuheitern... Einige
dieser Schwapp-Wellen beunruhigten mich doch
ziemlich...
Erleichterung kurz vor Ankunft
Aber irgendwann wurde der See denn doch
wieder ruhiger... Nach ca. 2 Stunden Schaukelfahrt landeten wir
wieder im eher haesslichen San Carlos -wieder zum Fruehstueck.
Nachdem mein Magen wieder fuer Nahrung zu gewinnen war, liess er sich
sogar auf das einzig auffindbare typische Frühstück = Mittagessen = Abendessen
ein: Reis, Bohnen, Creme.. mit Ei oder Huhn.. und eventuell noch Kochbananen.
In San Carlos trafen wir auch Riccardo wieder. Gemeinsam bestiegen
gegen 2 Uhr nachmittags die Faehre, die am naechten Morgen
gegen halb 6 Uhr in Granada anlegte. Wieder eine zwischenzeitig
stuermisch-regnerische Nacht - aber immerhin in netter Gesellschaft.
In Granada gelang es mir nach mehreren Anlaeufen, einen Geldautomaten
zu finden, der meine EC-Karte akzeptierte und mir etwas mehr Geld
ausspuckte... Endlich wieder liquide fuhr ich - ausnahmsweise mal in
fast schon vertrauter Begleitung - via Managua nach Leon weiter.
So - die Politik muss schon wieder warten... Ich weiss
nicht, wieviele Stunden ich jetzt hier schon wieder zugebracht
habe... Werde es gleich wissen, wenn sie mir die
Rechnung praesentieren... aber ich bin zumindest ein
Stueck weiter... und Solentiname war es wert!
Schicke Euch mal wieder tropische Gruesse aus dem
heftig heissen Leon!
Bab