Leon - und Vulkanabenteuer auf Ometepe
- vom 10.12.2003 (10)
Hi Ihr!
unglaublich aber wahr... bin immer noch in...
LEON
...der zweitgroessten Stadt Nicaraguas. Nach Aussagen
aller Befragten hier, leben in Leon zwischen 220.000 bis
knapp eine Million Menschen... Da mein Reisebuch von
145.000 ausgeht, koennte ca. 200.000 hinkommen... Leon
ist eine Stadt mit viel Leben, bunten Maerkten, einer
schoenen alten Kathedrale, vielen Kirchen, ein paar
Museen, bunt bemalten Haeusern, aber auch vielen
Wandmalereien... viele davon politisch. Leon ist nicht
nur Heimatstadt des in Nicaragua bekanntesten Dichters
Ruben Dario sondern auch die heisseste groessere Stadt
Nicaraguas... Hab mich inzwischen nicht ungern daran
gewoehnt, hier auch abends nur mit T-Shirt unterwegs
zu sein... Momentan sitze ich wieder unter einem Ventilator -
aber vor allem, weil die Wirbelluft die kleinen
hartnaeckig beissenden Zancudos (Stechmücken) verjagen soll...
Dies gelingt aber leider nur teilweise... Tagsueber sticht
der Planet oft heftig... Ich habe mir daher auch so
ein nettes Piraten-Kopftuch gekauft... Hatte keine
Lust mehr, immer mit Kaeppi (hier "gorra")
rumzulaufen, um keinen Sonnenstich zu bekommen..
Aber das alleine haette mich hier sicher keine 11 bis
13 Tage gehalten... Rund um Leon sind zwei
faszinierend schoene Vulkan-Ketten... und mit einem
Buswechsel ist frau in weniger als einer Stunde am
Pazifik!!! Meer, Berge, schoene Natur rundum,
Polit-Museen, leckeres Essen, nette Kneipen (mit
leckerem Victoria-Bier und verfuehrerischem "Flor de
Cana"-Rum), ein angenehmes Klima, nette Menschen, eine
nette Unterkunft und Zugang zu Zeitung und Internet...
Jetzt versteht Ihr mich wohl schon besser....
Aber eigentlich wollte ich Euch in meiner zweiten Mail
auf meine Trauminseln entfuehren... habe erfahren,
dass es bei Euch inzwischen ungemuetlich kuehl ist.
Da ist das vielleicht eine gute Idee:
LA ISLA DE OMETEPE
...ist ein Insel-Traum mit zwei Vulkanen und liegt mitten
im Nicaragua-See... Auf dieser angeblich groessten
Suesswassersee-Insel leben ca. 35.000 Menschen. Von
oben erinnert die Insel an eine grosse schlafende Acht
oder - mit seinen beiden Vulkanen - an einen schoenen
bewaldeten Busen... letzteres stuetzt auch eine
Legende...

Isla de Ometepe
Habe mich auf dieser Insel gleich in die beiden Vulkane
verliebt - und dem kleineren auch einen Besuch abgestattet.
Der groessere noch aktive Vulkan Concepcion schmueckt sich
meist mit einem Wolkenhaeubchen und ist 1.610 Meter
hoch... Der Aufstieg soll ganz schoen heftig sein, da
der letzte Teil ziemlich steil ist, einiges an Sand
und Geroell bietet- und das dann in der Mittagshitze
... Daher hab ich den auf meinen naechsten
Nicaragua-Besuch verschoben :-) Concepcion's Schweste heisst Maderas
und ist mit seinen 1.345 Metern auch eindeutig einen Aufstieg wert..
Vulkan Maderas
...hat sich zur Ruhe gesetzt und in seinem
schoenen Krater ist nun ein See, der zwar um einiges
kuehler als der Lago der Nicaragua ist, aber fuer mich
unbedingt eine Verfuehrung zum Schwimmen darstellt. Da
ich mal wieder auf der Suche nach einem ruhigen
Plaetzchen war und diesen Vulkan ohne laermende Touri-Horde
geniessen wollte, blieb nur eins: frueher als die
anderen aufstehen und los. Vorab liess ich mir allerdings
von einem netten Führer ("Guia") in der Finca Magdalena den
Weg erklaeren... und auch, wie das mit dem Seil beim letzten
Abstieg zum See funktioniert... Um viertel vor 6 Uhr
marschierte ich dann mit Seil und Rucksack los...
Das mit dem Reiseproviant war mit 2 Bananen, 2
Karotten und Wasser leider etwas kurz gekommen, aber
Laeden gibt es nur unter im Ort und die Finca-Kueche machte
erst spaeter auf... Egal.
Kurz nach meinem Aufbruch bekam ich Gesellschaft: eine kniehohe
weisse, sehr duenne Huendin mit einer laedierten
Gesichtshaelfte bestand darauf mich zu begleiten...
Zunaechst fand ich das auch schoen, teilte
meine Banane mit ihr und wir stapften gemeinsam ueber Steine,
groessere Felsbrocken, durch Matsch und
Rinnsale... Es war ein 5 Kilometer langer Aufstieg
durch tropisch wirkenden Nebelwald, der zunaechst an
Kaffeebueschen und spaeter an ein paar Kakaobaeumen
vorbeifuehrte... Der erste Kilometer zog sich. Es regnete
immer wieder durch die Baeume und der Weg wurde immer
matschiger. Die beiden Male, in denen ich - trotz Wegklaerung
vorab - nicht wusste ob rechts oder links, half mir meine
Begleiterin aber leider auch wenig weiter. Sie stand hoechstens
mal vor mir im Weg und schaute mich mit hungrigem Auge an...

Aufstieg mit einäugiger Begleitung
Mit zunehmendem Nieselaufstieg wurde der Weg immer muehseliger,
matschiger und die "Felsstufen" schienen immer hoeher zu werden.
Die duenne Huendin kaempfte sich tapfer weiter nach oben. Als ich ihr
zusah, fiel mir die angekuendigte Wegstrecke kurz vor Kraterabstieg
ein, wo Menschen bevorzugt mit Seil zum See auf- und
absteigen. Wie sollte ich sie da mitnehmen? Vielleicht war das
albern - aber ich fuehlte mich fuer fuer meine Begleiterin
ploetzlich verantwortlich, befuerchtete, sie koenne sich beim
Auf- oder Abstieg verletzen... oder ausgehungert zusammen brechen.
Ich hatte ja noch nicht mal was zum Fressen fuer sie... Somit
versuchte ich ein paar Mal energisch, ohne sie weiterzuziehen.
Ich bruellte sie sogar an - aber offensichtlich konnte oder wollte
sie mich nicht verstehen...
Wie ich spaeter feststellte, waren diese Hunde-Sorgen zum
Glueck ziemlich ueberfluessig: meine Begleiterin kannte ganz
offensichtlich ihre eigenen Wege und begruesste mich freudig unten
beim Kratersee, als ich denn endlich dort ankam.
Vor unserem Wiedersehen hatte ich an zwei Stellen das
mitgebrachte Seil festgeknotet und mich etwas ungeschickt
abgeseilt - um dann
festzustellen, dass der Abstieg ein Wegstueck weiter
viel mehr eines Seils bedurfte. Das hiess fuer mich:
Zurueck, hoch zum Seil losknoten, wieder runter,
neue Stelle suchen... Als ich endlich an der
Felswand ankam, wo ein Seil doch sehr hilfreich ist,
hoerte ich leider schon die Stimmen der naechsten
Wanderer...
Ganz so wie ich das befuerchtet hatte, war
damit meine Ruhe im Krater dahin... Und ich reagierte
entsprechend genervt, als die ersten - mal wieder
englisch sprechenden - Touris mich erst baten, von
ihnen ein Photo vor dem Kratersee zu machen, um mich
dann mit den ueblichen "woher kommst Du? wie weisst
Du?" zu "begluecken". Ich machte ihr Photo, sagte aber
dann, dass mir hier nicht danach sei, englisch zu
sprechen... und unterhielt mich dann noch eine Weile
mit ihrem Nica-Guia... Dieser war sehr nett, schenkte
mir Kekse und teilte sogar sein Sandwich mit mir (und ich
mit der Huendin...)...

Kratersee Maderas
Beim Badegenuss im Kratersee
gelang es mir halbwegs, mich von der Enttaeuschung
abzukuehlen, dieses Naturerlebnis "in Nebelschwaden
gehuellter Kratersee" mit einer Horde mehr oder
weniger johlender Touris teilen zu muessen... Und
kletterte mit ihnen am Seil dann wieder hoch...
Ab dem dritten Kilometer abwaerts fingen - trotz
Wanderstoecke - meine Knie an, heftig zu mosern... War
ziemlich k.o. und verlor in dem Glitsch ein paarmal
das Gleichgewicht. Der Abstand zwischen den Kilometer-Markierungen
am Wegrand schien immer laenger zu werden.
Immerhin wurde ich zwischen dem 3.
und 2. Kilometer dann zum ersten Mal mit etwas
Aussicht belohnt. Aber entsprechend ramponiert sah ich
dann auch aus, als ich endlich ca. 7 Stunden nach
meinem Aufbruch - k.o. und hungrig aber gluecklich -
wieder bei der Finca Magdalena eintraf...
"Meine" einaeugige weisse Huendin hatte ich beim
Seilaufstieg am See bei den anderen futternden (und
immerhin teilweise fuetternden) Touris zurueck
gelassen... Inzwischen wusste ich ja immerhin, dass
sie den Weg gut ohne mit kannte... Dennoch liess ich sie
mit etwas schlechtem Gewissen bei anderen Touris am See
zurueck. Welche Freude, als ich sie dann nachmittags
nochmal bei der Finca sah.Ich fuetterte sie mit Brot,
das sie gierig verschlang... Danach hab ich sie nie
wieder gesehen.
Sonstiges
Natuerlich gibt es noch viel mehr von dieser
wunderschoenen Insel zu berichten... aber die Zeit
rennt wieder heftig davon. Und der dieses Internet-Cafe
betreuende "Chavalo" (Nica-Ausdruck fuer "Typ", maennliches
Wesen,...) hinter mir will endlich in seinen wohl
verdienten Feierabend...
Wuerde Euch auch endlich gerne mehr von der
verworrenen politischen Lage berichten, aber auch das
muss offensichtlich leider noch warten... Eventuell habt
Ihr ja den Zeitungen entnommen, dass Arnoldo Aleman - vor
Enrique Bolanos Praesident Nicaraguas -inzwischen zu 20 Jahren
Gefaengnisstrafe wegen Geldwaesche und weiteren Betruegereien
verurteilt wurde. In welcher Luxuszelle er diese Haft
ggf. antritt, ist allerdings noch offen...
Bin inzwischen etwas noerdlich von Leon in Esteli
gelandet. Morgen frueh fahre ich zu einer
sandinistischen Kooperative ins Naturreservat
Miraflor...
Alles weitere im naechsten Mail. Euch waermende
Sonnengruesse aus dem immerhin nachts recht kuehlen
Esteli...
Bab