schon wieder viel passiert in letzter Zeit... und da ich
damit in La Paz nicht fertig wurde, schreibe ich Euch
nun aus Managua, der Hauptstadt Nicaraguas... :-)
TRINIDAD
... ist auch schon fast nicht mehr wahr... Aber wie
Ihr Euch vielleicht erinnert, war ich per Flieger aus
dem von Protesten geschuettelten Cochabamba in das
friedliche Departement Beni mit seiner "Hauptstadt"
Trinidad gefluechtet. Soweit ich mich erinnere, hat
diese Stadt ca. 60.000 Einwohner/innen und liegt in etwa
auf "Eurer" Hoehe... Interessant waere dabei, wieviele
Zweiraeder es dort gibt... meiner Schaetzung nach hat
mindestens jede/r vierte so ein Toeff... Das taegliche
und insbesondere abendliche Hauptvergnuegen in dieser
vertraeumten Stadt ist es ganz offensichtlich, den
Hauptplatz dort mit einem mehr oder weniger kleinen
Mopped zu umrunden... Einige tun dies alleine, aber
diese Gefaehrte werden durchaus von bis zu sechs
Personen genutzt (das war zumindest bisher die
Maximalbesetzung, die ich gesehen hab...).
Mopped-Stadt Trinidad
In Trinidad ist es tagsueber ziemlich heiss... nachts
ist dies allerdings auch nicht viel anders.
Daher gab es sogar in meiner "Luxusbleibe" Hostal
Yakuma (25 Bolivianos, d.h. keine 3,50 EURO/Nacht) einen
Ventilator, der einerseits kuehlt und andererseits
Moskitos verscheucht... Dieser Gefaehrte schaffte es
in meiner letzten Nacht dort, mir so einen Zug am
Ruecken zu verschaffen, dass ich die naechsten drei
Tage davon was hatte... Besonders "angenehm" war dies
die beiden Tage, die ich ueberwiegend in
(Mini)bussen in Richtung Rurrenabaque verbrachte...
Immerhin war ich an diesem zugigen Ort ja nicht
darauf angewiesen, den Kopf nach links drehen zu
koennen... :-)
Hab dann versucht, mir in Trinidad auch ein Zweirad zu
mieten, um ein bisschen was vom Hinterland zu
erkunden... (nein... bin nicht um den Platz gefahren..
:-)). Leider vermieten sie dort inzwischen nur
noch so kleine Toeffs (100er?) mit Handschaltung fuer
10 Bol./Stunde (ca. 2,50 DM :-)).. Damit zog ich an
meinem 2.Tag in Trinidad dann los in Richtung
Seen... Es gibt ganz in der Naehe die Laguna Suarez,
einen riesigen relativ flachen Badesee, eine sich bis
zum Horizont ziehende Flaeche braunen Wassers... An
diesem fuhr ich zunaechst vorbei, da auf meiner
"Karte" noch mehr Seen eingezeichnet waren... Die
Strasse muendete allerdings sehr rasch in einem
schnurgeraden endlos scheinenden Stein- und
Staubweg...
Die Mittagshitze brutzelte auf mich runter. Laengere Zeit
kam mir niemand entgegen. Umkehren? Da muss doch noch was
kommen... Und tatsaechlich tauchte ploetzlich das Schild
"Laguna Azul" mit Pfeil nach rechts auf. Der mit tiefen Schlagloechern
uebersaete Erdweg fuehrte mich in der heissen Mittagssonne
direkt auf den Innenhof einer Hacienda, wo eine groessere Familie
gerade zu Mittag ass...- nix mit Badesee... Aber eine Frau dort
lud mich ein, mich im Schatten etwas auszuruhen. Und ich erfuhr, dass
es nicht allzu weit weg tatsaechlich einen See gebe. Die Erklaerung
des Wegs dorthin gestaltete sich jedoch etwas schwieriger. Und nach
einigem Nachfragen bot sich mir eine Wegweiserin als Begleitung an
... und stieg hinten auf mein "Moppedchen" auf.
Trinidad - Hacienda Laguna Azul
Sie oeffnete mir dann richtig nett die vier
Gatter, die den Feldweg blockierten - und etwa zehn Minuten spaeter genossen
wir gemeinsam den einsamen auch riesig scheinenden
Natursee... Waehrend wir auf dem Steg sassen, konnten
wir in der Ferne eine Familie von etwa 10 Capibaras
bewundern - inzwischen weiss ich, dass das
Wasserschweine sind :-). Dann zeigte sich sogar noch eine Herde Rinder,
die den See als Traenke nutzten. Als sie irgendwann doch ganz erschreckt
unsere Anwesenheit bemerkten, zogen sie aber rasch von dannen...
Laguna Azul mit überraschten Rindern
Aber auch wir wurden immer
wieder beobachtet von zwei neugierigen Augenpaaren,
die immer wieder abwechselnd aus dem Wasser
auftauchten... Lagartos - ein grosser und ein kleiner
Alligator... Dies zerstreute letzte Zweifel, ob dieser
lauwarme (!) See denn nun ein Badesee sei... Angeblich gab es dort
noch vor nicht allzu langer Zeit einen Getraenkeverkauf. Das Holzbuedchen
stand noch, aber ich konnte es mir - in der Mitte von "nichts" so ganz ohne direkte Zufahrtsstrasse -
nicht wirklich in Betrieb vorstellen...
Vor unserer Rueckkehr erzaehlte mir meine Begleiterin (Anfang 30?), dass
sie ihren zweiten, zu Gewalttaetigkeit neigenden Mann,
noch waehrend ihrer letzten Schwangerschaft verlassen habe.
Nun zieht sie alle vier Kinder alleine auf. Um dies irgendwie
bewerkstelligen und finanzieren zu koennen, arbeitet sie seit ein
paar Monaten auf dieser Farm... Ganz andere Lebensrealitaeten...
Auf dem Rueckweg genoss ich doch noch ein Bad in
dem bauchhohen, badewannenwarmen, braunen Wasser der
Laguna Suarez... - ein sehr schoener Ort, der an
Wochenenden hoffnungslos von Bolivianos
ueberfuellt sein soll... "Unter der Woche" hab ich ihn
als friedliche Naturoase erleben duerfen...
Trinidad - Laguna Suarez
Abends traf ich in Trinidad drei allein lebende
Bolivianerinnen (nach meiner Schaetzung zwischen 40
und 50 Jahre alt), die mich an ihren Wuerfeltisch
einluden und mich in die Spielregeln einweihten... War
eine nette Runde. Am naechsten Abend brachte
Fatima dann auch selbst gemachte "Leche de Tigre"
(Tigermilch) mit... eine gefaehrliche Mischung aus
Eiern, Milch, Nelke und Alkohol, die ganz entfernt an Eierlikoer
erinnerte... Er ist durch die Hitze dort leicht verderblich, kam
diesmal aber direkt aus dem Kuehlschrank. Nachdem die Frauen mir
jedoch von diversen Magenproblemen und -operationen erzaehlten, und
eine aus der Runde mir auch noch ihre dicke Narbe am Bauch zeigte,
wurde ich doch etwas vorsichtiger. Aber lecker war der Trunk allemal!
WEITER GEN RURRENABAQUE
"Es gibt derzeit keine Direktverbindung nach Rurre."
sagten sie mir am Busbahnhof in Trinidad... Aufgrund
der kritischen Entwicklung im Land sind kaum noch
Touristen unterwegs... und sogar im sonst friedlichen
Beni gibt es noch Reste von Strassenblockaden zu
beseitigen... Nun "gut". Somit kaufte ich ein Ticket
bis San Borjas - und fuhr am Folgetag ca. 9 Stunden
auf ziemlich miesen Strassen durch die Pampa...
San Borjas ist
kleiner und noch vertraeumter als Trinidad... aber
auch hier versuchen sie mit Mopped-Platzumrundungen
andere zu beeindrucken oder ihre Zeit zu verbringen...
Was mir in diesem wirtschaftliche armen Land immer wieder auffaellt,
sind die "Spielhoellen" fuer Kids... Ueberwiegend
Jungs verbringen Stunden begeistert damit, am
Bildschirm irgendwelche Gangster und Monster zu jagen,
Gefahren zu killen... Ich muss zugeben, dass mir solch
eine Kindheit etwas Angst macht... Frage mich, ob das
bei uns auch so ausgepraegt ist...
Fähre gen San Borjas
Die Minibus-Fahrt von San Borjas nach Rurrenabaque (meist "Rurre" genannt)
am naechsten Tag war auch ziemlich anstrengend.. Nachdem
wir verspaetet losgefahren waren, verordnete uns der Fahrer
durch zwischenzeitige Abwesenheit eine 1-stuendige
Mittagspause. Dadurch holperten wir insgesamt mehr als fuenf
Stunden ueber staubige loechrige Strassen.
Zwischendurch quetschten sich immer wieder neue
Passagiere dazu. Die Fahrt schien endlos. Aber irgendwann landeten
wir dann doch im touristischen Rurrenabaque...
RURRENABAQUE...
ist ein malerischer Ort am Ufer des Beni-Flusses. Es
gibt dort 16 Reiseagenturen, die allesamt Touren in
die Pampa ("wilde Tiere besichtigen und Anakonda
suchen") und die Selva ("Dschungel und Heilpflanzen
kennen lernen") anbieten... Allerdings waren
-aufgeschreckt durch die Entwicklungen im Land - fast
alle Touristen abgereist. Mein durchaus schoenes
Hostal Oriental hatte ich zwischenzeitig fast fuer mich
alleine... Schoen, aber etwas einsam -mit Haengematten, einem
Sternfruchtbaum und zwei sehr netten, wenn auch ein bisschen
kleinlichen Wirtinnen. Tagsueber war es dort so heiss, dass auch
das Abklappern der Agenturen auf der Suche nach einer
Gruppe, der ich mich anschliessen koennte,
muehselig war... Statt Fenster hatten die Zimmer
Moskitonetze, Ventilatoren halfen nachts auch etwas..
Und abends dann die Mosquito-Bar, eine fuer Bolivien
etwas teuere, aber sehr nette Kneipe mit absolut
leckeren Caiphirinhas, angenehmen Barmaennern und der
Moeglichkeit, sich die Musik aus einer breiten Palette
von CDs selbst auszusuchen....
An einem Abend zog ich nach Barschluss mit
dem Moskkito-Barteam in eine der vielen
Karaoke-Bars... Inspiriert durch das durchaus leckere
bolivianische Pacena-Bier hab ich sogar zwei Lieder
getraellert... :-) Auch ein kulturelles Highlight durfte ich miterleben:
Ein paar Schulen hatten eine Auffuehrung folkloristischer Taenze
im Open-Air-Kollisseum arrangiert. Die Tanzgruppen kamen aus der
ganzen Region angereist und zeigten Traditionelles - einen Baendertanz,
viele wirbelnde Paare, an Polonaise erinnernde bunte Aufmaersche - aber
auch zum Abschluss zwei moderne "Diskotaenze"... und das alles alkfrei... :-/
PAMPA...
Tja.. und dann schickte ich meinen absoluten
Widerwillen, in diesem Land deutsch zu sprechen, in
die Wueste und gewann einen Deutschen und eine
Hollaenderin dafuer, mit mir eine Pampas-Tour zu
machen. Bisher war es mir gelungen, mich nur mit spanisch
- oder franzoesisch-sprechenden Menschen zu umgeben... aber
mich auch mal mit Deutschsprachigen "abzugeben" war ganz
offensichtlich meine naechste "Reiselektion".
Somit zogen wir zu dritt mit Fuehrer und Koechin fuer drei Tage
gen Pampa-Abenteuer.Hat sich absolut gelohnt. Es war
sehr beeindruckend, mit einem Boot ueber den
Yakuma-Fluss zu shippern, zwei (?) Wasserschweine und
ganz viele Alligatoren ziemlich nah zu sehen, sich sonnende
Schildkroeten zu bewundern, Cappuccino-Aeffchen aus der Naehe zu
erleben... Und wunderschoene Voegel, deren Namen ich
auf deutsch nicht kenne, haben wir auch
gesehen: faszinierende Paradiesvoegel, Marabous,
Stoerche, Papageien, Adler, Aasgeier,...
Pampas-Tour Rurrenabaque Capibaras
Pampas-Tour Rurrenabaque Cappucino-Monos
Alligatoren, Schildkroeten und Anakondas haben eins gemeinsam:
kaltes Blut. Daher waermen sich alle drei Arten
tagsueber in der Sonne auf, um nachts mehr Energie zu
haben. Alligatoren, deren Augen wir nachts im Wasser
leuchten sahen, sind angeblich nur nachts auf der Jagd.
Tagsueber sei kein Problem, in der
braunen Wasserbruehe "mit den rosa Delphinen" zu
schwimmen...
MIT ROSA DELPHINEN SCHWIMMEN?
Drei dieser ungewöhnlichen Suesswasser-Delphine
haben wir von weitem gesehen. Sie sind ein Phaenomen und Ueberbleibsel
aus Urzeiten... Durch einen Wasserfall sind sie vom
Meer und Chile getrennt und leben daher in drei
bolivianischen Fluessen... Das mit dem Schwimmen
haette ich im Vertrauen auf unseren "guia" - trotz
Alligatoren und schammig-braunem Wasser- sogar gerne ausprobiert.
Aber am zweiten Tag hatte es immer wieder so heftig geregnet,
dass die Mosquitos noch laestiger und aggressiver waren als sonst.
Wir wussten schon gar nicht mehr, wohin mit uns: Noch mehr auf der
Haut brennendes "Repellente" auftragen? Unter weiteren Stofflagen
Moskitoschutz suchen? Mein extra dafuer gekauftes weisses Hemd
leistete gute Dienste...Durch die meiste Kleidung - insbesondere
dunkelfarbige - stechen diese Biester unbeeindruckt durch.
Und dann ausziehen????? - Njet! Sicher war der spezielle
Mueckenschutz auf der Haut beissend und lebensrettend... aber den
gaenzlichen Schutz vor dieser Plage gibt es wohl nicht.
Zwischenzeitig haben wir uns alle drei sonstwohin
gewuenscht... Das war der einzige heftig unangenehme
Nachteil dieser Tour...
Pampas-Ritt
Da der Besitzer der Pferde in
der Naehe offensichtlich sonstwo unterwegs war, zogen
wir statt am zweiten erst am dritten Tag mit Pferden
los... war eventuell wetterbedingt auch besser so...
Wir fanden zwar keine Anakonda, aber die Pampa mit
Palmen, Papayas und Weiten ist sehr schoen und
unbedingt sehenswert...
Pampas-Tour Rurrenabaque - Pampas VOR Mosikitoansturm
Auch diese Tour klang in der Moskkitobar mit Caipirinha
aus... Noch eins zum malerischen Ort Rurre: Seit ueber
einem Monat gibt es in diesem Ort (und der Region)
kein oeffentliches Internet.. hat wohl irgendwas mit
nicht bezahlten Rechnungen zu tun... Eine Bank gibt es
dort auch nicht... Wer Geld braucht, hat immerhin die
Chance, mit Visakarte in einem Hotel Geld zu
bekommen... allerdings mit einem "Aufpreis" von 7%.
Das soll sich aber angeblich im naechsten halben Jahr
aendern... Zeitungen gab es zunaechst leider auch
keine... Immerhin kamen in den letzten Tagen meines Aufenthalts dort
dann doch noch welche per Flieger aus La Paz - jeweils die vom Vortag...
Die Fahrt von Rurrenabaque nach La Paz soll angeblich
auf ziemlich miesen Strassen ca. 18 Stunden dauern...
Diesen Trip hab ich mir dann doch erspart.. und mir
stattdessen einen ca. 1-stuendigen Flug fuer ca. 52 U-Dollar
gegoennt... War aufregend in diesem kleinen
Fliegerchen, der direkt von Rurre aus mit 10 (oder 12?)
Passagieren startete. Leider war es recht wolkig
und turbulent... Mir bekam dieses Schaukeln nicht
wirklich gut und ich schloss irgendwann lieber die
Augen... Daher bekam ich leider fast nichts vom sicher
sehr beeindruckenden Anflug auf La Paz ueber den ueber
6000 Meter hohen Berg Illimani mit... behielt aber
immerhin mein Fruehstueck intus...