jetzt raecht es sich, dass ich mich in das
vertraeumt-friedliche Trinidad zurueck gezogen hab:
Eben hat der bolivianische Praesident seinen
ueberfaelligen Ruecktritt erklaert!!!... und nachdem hier in
der ganzen Zeit hoechstens 1-2 friedliche Protestmaersche waren,
scheint sich auch jetzt niemand sonderlich fuer
den Ruecktritt zu interessieren. Zumindest: "Nix is"
mit grossen Jubelfeiern oder aehnlichem!!! Schade!
Aber ich weiss schon: Frau kann nicht alles haben!
Das war er... Goni adiós!
Statt Jubelfeier "feiere" ich erstmal mit diesem Mail
an Euch... und dann mit einem Caipirinha am zentralen Platz
hier. Irgend jemand wird schon mitfeiern - und wenn
es meine treue Reisegefaehrtin Emma (fuer Nicht-Eingeweihte:
eine kleine Stoffhaesin) ist...
Nach meinen letzten Infos heut abend hat sich
Ex-Praesident "Goni" per Hubschrauber gen Santa Cruz
abgesetzt und will dann nach Miami... Dort ist Goni,
der Besitzer mehrerer Minen Boliviens, dann bei den
ganzen gierig-reichen Exilcubanern in bester
Gesellschaft... (boeser Kommentar am Rande... Ihr
kennt mich ja...)
Sein seit drei Wochen von immer mehr Bevoelkerungsgruppen
geforderter Ruecktritt war wirklich ueberfaellig. In den letzten
vier Wochen (also seit ich hier bin) hat es in
diesem Land ueber 80 Tote und ueber 400 Verletzte
gegeben. In La Paz und El Alto (oberhalb von La Paz
rund um den Flughafen von La Paz) herrscht seit neun
Tagen Ausnahmezustand. Neben den Minenarbeitern von
Potosi, zahllosen Rentnern sind in den letzten Tagen
auch Abgeordnete in Hungerstreik getreten... Neben der
grossen zentralen Forderung "Kein Gas an Chile - Kein
Gas an USA/Mexico ueber einen chilenischen Hafen - Gas
und industrielle Entwicklung fuer Bolivien" sind schon
seit einiger Zeit viele andere Forderungen
verschiedenster Interessengruppen dieses Landes
getreten... Nachdem der Praesident keinerlei Anstalten
machte, sich wirklich mit den Forderungen und
Gruppierungen auseinander zu setzen und immer wieder
mit wenig hilfreichen Erklaerungen ans Volk, mit
Aussitzen und mit Militaerrepression reagierte, war
sein Ruecktritt wohl die einzige Chance, einem
Staatsstreich oder Zivilkrieg zu entgehen... Wenn ich
das richtig im Ueberblick hab, ist es das erste Mal in
der Geschichte Boliviens, dass es das bolivianische
Volk schafft, sich "relativ friedlich" von einem von
den USA protegierten Praesidenten zu befreien.
Was Korruption in Lateinamerika betrifft, steht Bolivien
momentan zwar nicht mehr an zweiter sondern "nur noch"
an vierter Stelle, aber: Bolivien ist so reich an
Natur- und Bodenschaetzen und die grosse Mehrheit
seiner BewohnerInnen ist so arm... Tiempo para
cambiar - Zeit fuer Veraenderungen! Ob sich mit
dem nun zunaechst das Ruder uebernehmenden Vizepraesident
Carlos Mesa aendert, bleibt abzuwarten... aber immerhin!
Aufbruchstimmung im Land!
UYUNI
... ist zwar inzwischen schon etwas laenger her, aber
mein 4-Tages-Treck von Uyuni Richtung Chile und
zurueck war so traumhaft schoen, dass ich Euch
zumindest ein Minimum davon berichten will:
Wenn ich das richtig verstanden hab, haben wir in
diesen vier Tagen mit einem Jeep ca. 1000 Kilometer
zurueck gelegt... Das ist aber auch in Relation zu sehen:
Bolivien hat zwar nur rund 8 Millionen Einwohner/innen,
die Landflaeche ist allerdings fast dreimal so gross wie
Deutschland!
In diesen vier Tagen habe ich unglaublich schoene
Naturwunder genossen, die sicher auch meine Photos nur
ansatzweise wiedergeben koenne. Die Schoenheit dieser noch
weitgehend unberuehrten Landschaft laesst sich fuer mich
schwierig in passende Worte fassen...
Laguna Colorada - brrrrr
Die meiste Zeit lag die Strecke oberhalb von 3.500 (bis
knapp 5.000 Meter!) Hoehe. Somit war die Landschaft eher karg und
steppig. De facto waechst dort oben fast nur "Lena", das auch als
Brennstoff (insbesondere zum Heizen, Kochen, Salz trocknen)
verwendet wird - aber auch Quinoa-Getreide und
Flechten... Die Gegend ist sehr huegelig. Es leben
dort wenig Menschen, aber viele Lamas, Schafe, Kuehe
und auch Vikunjas. Die Wolle der zierlichen Vikunjas ist die
teuerste und wertvollste ueberhaupt. Sie gilt auch als
das "Gold der Anden". Das fuer Inkaherrscher daraus
geschaffene "Goldene Vliess" wurde von diesen einen
Tag lang getragen und dann den Goettern geopfert...
Allzu viele dieser wunderschoenen Tiere gibt es leider nicht mehr. Wer
eines toetet, muss angeblich genauso lange Zeit im
Gefaengnis absitzen wie fuer den Mord an einem
Menschen (ca. 30 Jahre...) - wurde mir zumindest
erzaehlt... aber das nur am Rande...
Bereits der Salzsee von Uyuni ist eine Reise wert. Er
ist 12.000 km2 gross... In seiner Mitte ist die Isla
de Pescado... die Fisch-Insel... da die Inselform
einem Fisch aehneln soll... Diese Felseninsel inmitten
des Salzsees ist voller Kakteen... der hoechste soll
12 Meter hoch sein...
Isla de Pescado - Salar de Uyuni
Auf dem See gibt es auch ein vollstaendig aus Salz gebautes Hotel...
Es ist allerdings inzwischen aus hygienischen Gruenden auf
Minimalbetrieb umgestellt... Ein zweites Hotel dieser
Art wurde bereits aus eben diesem Grund wieder
zerstoert (Salz als Lebensmittel und nicht als Abort
fuer abgedrehte Touris...)
Weiter suedlich gibt es dort unglaublich schoene von
Sonne, Wasser und Wind geformte Felsformationen - wie z.B.
einen ziemlich grossen Baum aus Stein und...
Felsenschnecke
Weitere Hoehepunkte dieser Tour sind die faszinierend-schoenen
bunten Seen, in denen drei unterschiedliche
Flamingo-Familien ihre Heimat gefunden haben. Wir
haben bei unserer Tour am Ufer der Laguna Colorada
uebernachtet. Sie liegt im Naturschutzgebiet und ist -
durch Sonne, Wind und unglaublich viele rote Algen -
tagsueber blutrot... das im Kontrast mit kahlen
Bergruecken und zahllosen Flamingos auf ueber 4000
Hoehenmetern ist zwar nachts irre kalt (minus 12 Grad)
aber unglaublich schoen!!!!
Laguna Colorada - Flamingoparadies
Laguna Colorada - Schatten
Wir haben auf dieser Reise auch einen
Gruenen See, einen Weissen See und einige andere
bewundernd besichtigt... Der dritte Tag hinterliess
ein Feuerwerk an Eindruecken: Wir verliessen unser
kaltes Quartier an der Laguna Colorada im Morgengrauen
(kurz nach 5.00 Uhr) und betrachteten dann fasziniert
bei "Sol de Manana" (Morgensonne) Geysire... einer
davon wird auf 4.800 Hoehenmetern dort zur
Stromerzeugung verwendet... Es roch ueberall nach
Schwefel, blubberte und dampfte ganz heftig in der
Morgensonne...
Sol de Manana
Genau an dieser Stelle hatte unser Jeep
einen Platten... In dieser klirrenden kalten duennen Luft auf
etwa 4.700 Metern Hoehe frueh morgens Reifen wechseln ist eine
wahre Herausforderung, aber unser Fahrer schaffte auch dies
ueberzeugend. Wir fuhren "im mehr oder weniger engen
Konvoi" mit einem weiteren Jeep derselben Agentur. Jeder Fahrer
hatte dabei so seine Besonderheiten. Der Fahrer des "anderen Jeeps"
hatte viele Erlaeuterungen und Geschichten parat.
Unser Fahrer hingegen war eher wortkarg, hatte aber gewisse
"Schumi-Allueren" - wir starteten meist als letzte, kamen aber immer
als erste an - fuhr aber sehr gut und sicher...
Unser Fruehstueck genossen wir dann auf 4.400 Meter
Hoehe mit der Chance auf ein waermendes Bad in einer
Natur-Thermalquelle... Die meisten nutzten das nur als
Fussbad... aber ich hab ich mir den Ganzkoerpergenuss
natuerlich nicht entgehen lassen... :-)
Frühstück auf 4.400 Meter Höhe
Eben hoere ich ein paar Knaller draussen... ob sie nun doch feiern?
Na.. ich werde es gleich erleben!
Na... und am Schluss haben wir noch einen
Eisenbahn-Friedhof besucht... ein skurriler Ort mit
vor sich hin rostenden Eisenbahnen der ersten
Eisenbahngenerationen... aber nach dem faszinierenden
Naturschauspiel der Tage davor natuerlich nicht ganz so
beeindruckend...
COCHABAMBA
Wie Ihr meiner letzten Mail entnehmen konntet, hab ich
die Strassenschlachten in Cochabamba mit Steinewerfern
auf der einen Seite und Traenengas auf der anderen
Seite recht nah miterlebt. Ueberall umgestuerzte
Muellcontainer, kleine Brandherde auf der Strasse,
Strassenblockaden,...
Hab mich dann doch der Einladung von zwei Italienern
(Alpinisten, Kletterern) angeschlossen, die fuer einen
Tag inkl. Uebernachtung in die in der Naehe von
Cochabamba gelegenen Berge wollten... Wir sind dann mit
einem Taxi von 2.500 Metern auf 4.000 Meter
hochgefahren und haben bei sternenklarer Nacht zu
dritt in einem Zelt uebernachtet. Letztendlich habe ich sie
dann doch ein Stueck bergaufwaerts
begleitet und mit ihnen die Bergluft auf 4.500
Metern genossen. War nix mit Klettern dort.. aber das
koennen sie jetzt die Tage noch in Chile genug... Ist schon irre, auf
dieser Hoehe keinerlei Schnee zu haben!
Die Rueckfahrt von dort oben gestaltete sich
allerdings etwas schwieriger, da dann irgendwie doch
keine LKWs mehr vorbeikamen. Und durch die ueberall
moeglichen Strassenblockaden und
angekuendigte Fahrerstreiks sah ich zwischenzeitig
sogar meinen Abflug in Richtung Trinidad recht gefaehrdet: Ich hatte
mein Flugticket fuer den Folgetag zwar morgens geordert - aber noch nicht
bezahlt und abgeholt. Letztendlich hat dann aber doch noch
alles geklappt. Ein Steine transportierender LKW hat -
zum Glueck dann doch blockadenfrei - uns gen Tal
gefahren.
Naechtliche Rueckkehr im Lastwagen
Dort hat uns ein Sammelbus und dann ein Taxi
gen Cochabamba gebracht. Und die nette Frau vom
Reisebuero im Hotel der Italiener ist dann extra fuer
mich sogar nochmal in ihr Buero zuruck gekehrt, um mir
noch mein Ticket auszustellen. Mal wieder Glueck
gehabt... :-) Da am naechsten Tag allerdings
Fahrerstreik angekuendigt war - Variante
"rien-ne-va-plus" in der Stadt - bin ich mit den
Italienern schon um 5.00 Uhr zum Flughafen gefahren
(letzte Chance!) und hab somit auch meinen Flieger nach
Trinidad gekriegt...
Jetzt reichts aber fuer heute... draussen knallt es
immer noch gelegentlich. Werde jetzt mal zum Platz
marschieren und mir einen Caipi zum Feiern ordern!
UND WEITER...
Von Trinidad - der Mopped-Stadt - berichte ich spaeter.
Morgen fahre ich Richtung Rurrenabaque und Dschungel /
Amazonasgebiet weiter - mit Zwischenstopp morgen abend
in San Borjas, da angeblich zu wenig Passagiere hier
sind, um die ganze Strecke zu fahren... Wie auch
immer: Von 10.30 bis kurz vor 19.00 Uhr im Bus sitzen
reicht ja auch schon... Bis Rurrenabaque sind es wohl
insgesamt 12 Stunden Fahrt...
FUNKSTILLE?!
Nach Aussagen von Touris gibt es allerdings seit ueber
einem Monat keine Internet-Verbindung in Rurrenabaque.
Somit hoert Ihr in naechster Zeit vermutlich erstmal nix von
mir... Nur mal so, damit sich niemand von Euch ueber
mein Schweigen wundert... oder Sorgen macht... oder...
Sonnige Gruesse aus dem tropisch-heissen Trinidad
(liegt auf ca. 250 Metern... bin also mal ausnahmsweise auf "Eurer"
Hoehe... :-)...)!